CaloNew - Thomas Weber - Photographie

Sprache:
deutsch english español arabisch sefardi


Drei Kulturen haben Al-Andalus (Süd-Spanien bis 1492) geschaffen.

Ihnen zolle ich Respekt, indem ich meine
Website auch in deren Sprachen darstelle.

español Spanisch
arabisch Arabisch
sefardi Sefardí / Ladino

Herzlich willkommen

Drei Kulturen haben Al-Andalus geschaffen ... Warum zolle ich ihnen Respekt? Welchen Bezug zum Heute und zu meiner Fotografie hat Al-Andalus?

Fotos schaffen sollte immer mit dem Verstehen dessen zu tun haben was man aufnimmt. Es ist ein Vorgang des Interpretierens und gründet sich auf Wissen, auch des Entstehens dessen was man darstellen will, und das beinhaltet seinen Geist auf das zu fotografierende Objekt vorzubereiten. Meiner Meinung nach ist eine solche Einstellung hilfreich um seinen Respekt vor dem Aufgenommenen, seiner Kultur und Ausdrucksformen, zu zeigen.

Gibt es auf Erden etwas faszinierendes als die Paläste der Al-Hambra von Granada. Erscheinen uns diese nicht wie ein Märchen wie aus 1001 Nacht? Dennoch ist diese Burg nur eine ferne Erinnerung an eine längst vergangene Epoche.

Al-Andalus ging über das heutige Andalusien weit hinaus. Es umfaßte fast die ganze Iberische Halbinsel, nur ein kleiner Streifen im Norden blieb unter christlicher Herrschaft. Die Araber begannen ihre Eroberung im Jahre 711, gerade 100 Jahre nach der Verkündung des Islams in Mekka. Binnen weniger Monate wurde die Iberische Halbinsel der arabischen Herrschaft unterstellt. Wie war das möglich? Damals galten die Muslime als die Erfolgreichen schlechthin: in unglaublich kurzer Zeit hatten sie den östlichen Mittelmeerraum erobert und dabei das Wissen der Antike aufgenommen und wiederbelebt. Zudem kooperierten viele Christen in den eroberten Gebieten und konvertierten zum Islam, sicherlich auch, zur Erleichterung ihrer neuen Rolle unter neuer Herrschaft. Die Erfahrungen mit der byzantinisch-römischen Staatskirche erleichterte ihnen die Konversion. Zudem machten die sehr ähnlichen Riten zwischen Frühchristentum und dem Islam einen Wechsel leicht.

Schon zu Beginn der islamischen Eroberung zeigte sich, daß die iberische Halbinsel etwas Besonderes war: die arabischen Eroberer wurden von der jüdischen Bevölkerung, den Sefardim, unterstützt. Die leidvollen Erfahrungen der Juden mit der Herrschaft der Goten waren Motivation genug um den Eroberern detaillierte Informationen über die internen Konflikte der herrschende Kaste zu übermitteln. Sie nahmen an der Eroberung mit eigenen Batallionen teil, öffneten die Stadttore, besonders wichtig hierbei die Hauptstadt Toledo und unterstützten möglicherweise das Vorgehen der Araber finanziell. Man stelle sich vor, der Staat Israel und die muslimischen Staaten würden politisch wie militärisch eng zusammenarbeiten und handeln ... heutzutage undenkbar!

Im 8. Jahrh. pflegten die Muslime einen relativ toleranten Umgang mit Juden und Christen. Der Prophet Mohammed war sich der engen theologischen Beziehungen zwischen den abrahamitischen Religionen sehr wohl bewußt, gelten sie doch laut Koran als Schriftbesitzer. Doch sollte man die Toleranz nicht mit Laissez-faire verwechseln. Natürlich übten die Muslime mehr oder weniger Druck aus auf daß die Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften konvertierten zumindest aber dem "Arabian way of life" folgten. Letzterer übte eine derartige Faszination aus, daß die Religion als zentrales identitätsstiftendes Merkmal an Wichtigkeit verlor. Damit bewegte sich schon Al-Andalus im 9. und 10. Jahrhundert hin zu einer modernen Gesellschaft.

Als der letzte überlebende Nachkomme der Umayaden, Abd-ar-Rahman, 756 nach Spanien flüchtete, begann der glanzvollste Abschnitt in der Geschichte des Al-Andalus. Das führte zu einer Abspaltung von der restlichen Muslimischen Welt, die sich in der Ausrufung des Kaliphats von Cordoba manifestierte. Die Bibliotheken von Cordoba und Sevilla hatten einen excellenten wissenschaftlichen Ruf. Forscher und Studierende aus ganz Europa trafen sich hier, der persönliche Glaube spielte hierbei keine Rolle. Dennoch galten die Umayaden nachfolgenden muslimischen Generationen als der "faule Ast am heiligen Baum des Islam". 250 Jahre später stellten Berber aus Nordafrika Truppen um A-Andalus gegen die vorrückenden Christen zu verteidigen. Doch brachten sie auch ihre radikalreligiösen Vorstellung mit und zerstörten damit die für die damalige Zeit einzigartige liberale Gesellschaft.

Al-Andalus war nicht in der Lage der unbeugsamen Strenge des Kastilisch-Spanischen Königreiche zu wiederstehen. Die französische Kirche hatte die staatlichen Strukturen entworfen und schufen so mit Spanien den ersten modernen Territorialstaat: eine zentrale Regierung, ein geschlossenes Staatsgebiet, eine gemeinsame Sprache, Spanisch und eine Religion oder Ideologie sowie einen Geheimdienst - die heilige Inquisition - um das Volk zu kontrollieren, damit es der Doktrin folgt. Das und die Entwicklungen auf der muslimischen Seite führeten zu einem Verlust dieser einzigartigen und relativ friedfertigen Koexistenz beschleunigt durch einen zunehmenden Radikalismus auf beiden Seiten

Was spielt sich heute ab? Mangelnde Toleranz und hohe Inanspruchnahme der eigenen Persönlichkeitsrechte verhindern die sogenannte "street photography". Rechtsstreitigkeiten behindern heutzutage die Fotografie. Al-Andalus könnte uns an eine ferne Kultur erinnern, nicht um sie wiederzubeleben zu wollen, sondern ein Zusammenleben auf Basis gegenseitigen Respekts anzustreben.

Bibliographie

Colton-Sonnenberg, Ana: Convivencia in Al-Andalus: Vorbild oder Mythos? Paderborn, 2007.

Martinez Sanz, José L.: Al-Ándalus, Los Árabes en España. Madrid, 2007.

Menocal, María Rosa: The ornament of the world, how Muslims Jews and Christians created a Culture of Tolerance in Medieval Spain. Boston, New York, London, 2002.

© Thomas Weber 2010 - 2017